Proteus Effekt

Wer sein Verhalten in virtuellen Welten aufgrund der Darstellung des gespielten Avatars verändert, unterliegt dem Proteus-Effekt. Es handelt sich um Verhalten, das Personen in virtuellen Welten - beispielsweise in Videospielen - zeigen, weil sie denken, dass an das optische Erscheinungsbild Erwartungen von anderen verknüpft sind.

Das Aussehen des "eigenen Avatars" ruft demnach ein bestimmtes Verhalten hervor, um Stereotypen und Erwartungen anderer Personen in der virtuellen Welt auch zu erfüllen.

Namensgeber

Der Effekt wurde nach dem griechischen Gott Proteus benannt. Proteus ist ebenfalls ein Gott des Meeres, ähnlich wie Poseidon, und besitzt ähnliche Fähigkeiten, insbesondere die Fähigkeit zur Metamorphose - oder anders gesagt zur spontanen Gestaltwandlung.

Hintergrund

Man nimmt an, dass drei psychologische Konstrukte den Proteus-Effekt bedingen: Verhaltensbestätigung, Selbstwahrnehmung und Deindividuation.

Verhaltensbestätigung bedeutet, dass Stereotypen durch die Anwesenheit anderer aktiviert werden und daraus am Ende ein Verhalten, das die Erwartung(en) des Betrachters erfüllen soll, resultiert. Um die eigenen Einstellungen und Gefühle zu bestimmen, beobachten Personen laut der Selbstwahrnehmungstheorie sowohl das eigene Verhalten als auch die Umstände, die zu den Verhaltensweisen geführt haben. Deindividuation bezeichnet, dass Personen sich so stark einer Gruppe (oder Gesellschaft) zugehörig fühlen, sodass sie sich selbst nicht mehr als Individuum wahrnehmen.

Bedeutung

Warum ist das interessant oder problematisch? Untersuchungen konnten zeigen, dass Spieler:innen, die ihren Avatar bewusst attraktiver gestaltet, sich selbstbewusster verhalten haben. Schwarze Kleidung soll ein aggressiveres Verhalten fördern.

In die Rolle eines Superhelden zu schlüpfen hat Personen dazu veranlasst sich hilfsbereiter zu verhalten - auch kurz nach dem Spielerlebnis.

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